Current Events

The Glass Room

18. January – 26. November 2022
Group Show, MOD, Adelaide

The Glass Room MOD
The Glass Room is a public intervention that aims to educate about technology. With a sleek tech shop vibe, visitors can freely and critically discuss their relationships with data privacy.

Having toured Europe and the US, it will be visiting Australia for the first time in 2022.

From the tech boom to tech backlash, our understanding of the digital has become both deeply personal and deeply political. Our desire for convenience has given way to questions about the trade-offs for how much we can control our data and our understanding about how it is used.

The Glass Room is a place to explore these ideas. The objects here bring to life the hidden aspects of everyday technologies and examine how they are changing the way we live. The objects in The Glass Room provide unconventional and unexpected ways of seeing your relationship with your data.

As technology becomes embedded in every part of our lives, The Glass Room helps you look deeper into the digital: Does your personal data say everything about you, or is it an imperfect portrait? Do more tools, apps, and information make us better and more efficient, or are we giving away more than we want in return? What goes on behind the screens and inside the black boxes of the devices we interact with everyday? If we knew, would we still sign in or click ‘I agree’? How much trust do users invest in big tech companies, and what can be done if that trust is broken? If you want to learn more, you can visit our Data Detox Bar to pick up our Data Detox Kit, which offers you simple tips to enhance your digital privacy, security, and wellbeing.

Featured Artists:

Dries Depoorter, Aram Bartholl, Kiki Mager, Bengt Sjölén, Danja Vasiliev, Sebastian Schmieg, !Mediengruppe Bitnik, Tega Brain / Sam Lavigne, Kyriaki Goni, La Loma, and Tactical Tech

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Upcoming Events

On Equal Terms

15. – 25. September 2022
Group Show, Uferhallen, Berlin

From September 15 to 25, the Uferhallen will present the group exhibition On Equal Terms.

A large majority of Berlin-based artists are trying to resist the eco‐ nomic displacement of spaces for artistic experimentation. However, their language is sometimes forced to conform to a similar logic, as workplaces and artistic networks are labelled as “creative hubs” and “cultural capital.” In the struggle against the gentrification of spaces for living and working, these same spaces necessarily become subject to the cultural economy’s valorization process. What is the price to pay for entering the political bidding war for space? What is the relationship between cultural and monetary capital? Are both sides of the conversation on equal terms?

The group show examines, among other things, how art deals with mechanisms of the partly voluntary, partly forced commodification of cultural and artistic values. The exhibition will showcase works by approximately 25 artists from Uferhallen

Recent Events

DFG-Schwerpunktprogramms „Das digitale Bild”

7. – 9. July 2022
Talk, Online, Munich, Marburg

Metapolitisches Hüpfen

10. June 2022
Performance, Grosse Bergstrasse / Goetheplatz, Hamburg

Symposium und antifaschistische Hüpfburg
Große Bergstraße/ Goetheplatz, Hamburg
13:00-19:00 Uhr

Mohamed Amjahid (Vortrag & Diskussion)
Wie aus der Parallelgesellschaft herausspringen?
Über homogen weisse Räume in der Stadt

Aram Bartholl (Performance & Gespräch)
Greetings from Hamburg!
Wie umgehen mit geschichtsrevisionistischer Architektur?

Eduard Freudmann (Vortrag)
Kontextualisierung, Umgestaltung, Weggestaltung
Künstlerische und aktivistische Auseinandersetzungen mit geschichtspolitischen Manifestationen im öffentlichen Raum

Cornelia Siebeck (Thesen & gemeinsames Nachdenken)
Was wir „vergessen“ haben, oder:
Für eine Erinnerungsarbeit ohne Selbstvergewisserung

Nora Sternfeld (Vortrag)
Errungene Erinnerungen
Kontaktzonen umkämpfter und geteilter Geschichte

Gegenwärtig sind wir mit einer rechten Metapolitik konfrontiert, die mit kulturellen Setzungen versucht zivilgesellschaftliche Überzeugungen und kulturelle Diskurse jenseits von Parlamenten nach eigenen Vorstellungen zu verändern. Während das Konzept der Metapolitik eigentlich für den Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft gedacht war, zielt die Neue Rechte darauf ab, gesellschaftliche Komplexität auf essentialistische Vorstellungen von Kultur, Nation und Volk zu reduzieren. Mit Rekonstruktionen historischer Architektur, ideologischer Inanspruchnahme von Orten, aber auch Angriffen auf Parlamente versucht sie abgeschlossene Identitäten zu konstruieren. Im Ringen um die kulturelle Hegemonie entwendet die Neue Rechte auch den Künsten ihre Strategien, mit denen zuvor noch für eine offene und vielfältige Gesellschaft eingetreten wurde. Sie richtet die performativen Methoden nun gegen die vielfältige Kultur selbst. Dafür dreht sie das kritische Potential der Künste in eine affirmative Symbolhaftigkeit um und verwendet das progressive Moment der Künste für ihre regressiven Ideen.

Obwohl die permanente Gefahr besteht, die entwickelten künstlerischen Praxen in den Händen von Personen mit autoritären und völkischen Vorstellungen wiederzufinden, besteht nach wie vor die Notwendigkeit mit Kunst Ideen davon zu entwickeln, wie wir als Gesellschaft gerne zusammenleben wollen. Metapolitisches Hüpfen bietet den Anlass, rechte Metapolitik zu diskutieren und schafft zugleich den Raum, um Gegenstrategien zu entwickeln. Um die Frage nach dem Umgang mit symbolischen Räumen so zuzuspitzen, dass sie sichtbar und diskutierbar wird, wird das Hambacher Schloss als Symbol für Demokratie aber auch nationalistische Vereinnahmung in eine antifaschistische Hüpfburg transformiert. Die Architektur wird zur Infrastruktur für ein eintägiges Symposium im öffentlichen Raum, das Widersprüchlichkeit zulässt und auf dem nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch und performativ Strategien gegen rechte Metapolitik entwickelt, erprobt und debattiert werden.

Mit: Mohamed Amjahid, Aram Bartholl, Eduard Freudmann, Cornelia Siebeck und Nora Sternfeld
Konzeption: Frieder Bohaumilitzky
Grafikdesign Flyer & Plakat: Torben Körschkes

www.metapolitisches-huepfen.de

DeadDrops in H4v4n4

23. – 31. May 2022
Group Show, El Paquete Semanal, Havana

DeadDrops in H4v4n4 and !!!Sección ARTE [No. 37], Paquete Semanal, collaboration with Nestor Siré [May, 2022] Cuba.

Video des Monats

1. – 31. May 2022
Solo Show, HMKV, Dortmund

In the series HMKV Video of the Month, HMKV presents in monthly rotation current video works by international artists – selected by Inke Arns”

“TOP25”, 2018, video, 5:44 min

TOP25 is a series of short 3D animation sequences featuring the 25 most used passwords in the world. Standard, easy-to-guess passwords like ‘123456’ or ‘admin’—frequently the default preset passwords for routers and other devices in the past—still pose a significant security threat to computer systems in general. This collection of well-known passwords is presented in a style of 3D animation often used for YouTube intros. It is very common practice among YouTubers to use short and very to-the-point 3D animations of their logo and name to introduce their channels, and a whole scene of young YouTubers exchange and share the 3D source files (Blender 3D) online to help new channel producers generate their own intros. Though the animations are remixed and altered, the general aesthetics follow a very clear visual concept. All sequences in this video are original designs and arrangements by different creators; the text has been altered to match the top 25 passwords.

 

Blog Archive for Month: May 2020

Interview: Face the Face

May 15, 2020

Face the Face
Ein Gespräch mit Prof. Aram Bartholl über Maskierung im öffentlichen Raum.

Autor, Björn Lange, 23-04-2020
https://magazine.fork.de/masquerade/face-the-face

Dieses Gespräch kam eher durch Zufall zustande: Nachdem das Thema für die fünfte Ausgabe des Unstable Mag feststand, hörte ich im Radio einen Beitrag über ein Seminar an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) – Face the Face. Bei dem Projekt unter der Leitung von Prof. Aram Bartholl stand unter anderem Gesichtserkennung im Fokus, sowie die analogen Möglichkeiten, sich digital unkenntlich zu machen. Spontan nahm ich im Februar Kontakt auf, und nun, Mitte April, gelang uns endlich das persönliche Treffen, face to face, per Hangout…

Hallo Aram, schön, dass das unter den aktuellen Umständen doch irgendwie mit unserem Gespräch geklappt hat! Ich will gar nicht lange drumrum reden – Fork und das Unstable Mag hatte ich dir ja schon kurz erläutert. Lass uns also direkt einsteigen… Warum überhaupt dieser Ansatz, Gesichtserkennungssoftware umgehen zu wollen? Müssen wir uns verstecken heutzutage?

Gute Frage. Es gibt da unterschiedlichste Meinungen zu. Gerade heute, in Zeiten von Covid-19-App, Tracking, Tracing, Handy-Bewegungsprofilen und so weiter ist das Thema Anonymität für uns als Gesellschaft schon sehr wichtig. Theoretisch wissen wir auch – also viele jedenfalls –, dass unsere Privatsphäre durchaus gefährdet ist, durch große digitale Firmen wie Facebook, Google, Microsoft. Unternehmen, die ohne Ende Daten sammeln. Bloß spüren wir das natürlich nicht. Das eigene Gesicht aber, das ist etwas, das wir alle verstehen: Häh, da ist ein Foto von mir!? Ich glaube, das Gesicht und die Erkennung des Gesichtes und die Diskussion darum ist ein wertvoller Einstieg, um über Privatsphäre zu reden. Ah, ja, es gibt da dieses Clear View, und die haben zwei Milliarden, drei Milliarden Bilder gesammelt von allen Menschen auf der Welt, und jeder kann darauf zugreifen… Äh, das geht doch nicht! Das verstößt doch gegen diese Datenschutzgrundverordnung. Und das verstehen auch Leute, die normalerweise keinen technischen Zugang haben. Und dann kann man auch über Daten im Browser reden und über Cookies und über Tracking-Pixel. Also über Dinge, die viel abstrakter sind und die man nur schwer vermitteln kann.

Lustigerweise haben Leute etwas wie das Gesicht aber gar nicht so sehr auf dem Schirm, oder? Wenn ich da an mein persönliches Umfeld denke – da ist vielen plausibel, dass wenn sie online ihre Daten eingeben, händisch, also Adresse, Geburtsdatum, das übliche, dass sie da bewusster reflektieren, dass Sie gerade Daten Preis geben, als sie es mit ihrem eigenen Gesicht verbinden.

Ja, ich glaube, zu einem gewissen Punkt haben wir uns daran gewöhnt, irgendwie, dass diese Datenfreigabe dazugehört. Ich weiß es nicht genau. Gleichzeitig kann man nun – und das ist so’n bisschen eine andere Diskussion – bei diesem Masken Tragen, den medizinischen Masken, meine ich, eine Form von… ja, Vorbehalt gegenüber der Anonymität beobachten. Hier in Deutschland, da wollen die Leute das nicht so richtig, oder? Am Anfang ist man ganz komisch angeguckt worden im Supermarkt. Jetzt wird es dann doch wahrscheinlich Pflicht, demnächst.

Interessant, dass du das ansprichst. Das wäre sonst eine meiner späteren Fragen gewesen. Mein Eindruck, im Moment, wenn ich einkaufen gehe, ist schon, dass ich mich komisch fühle, weil ich noch keine Maske trage. Also, bei uns hier in Hamburg-Eimsbüttel. Die Quote an getragenen Masken im Supermarkt ist irre hoch, und da hab ich mich schon gefragt, ob sowas wie die aktuelle gesundheitliche Krise als eine Art Türöffner für den Mainstream wirken könnte. Ob wir uns jetzt gerade alle daran gewöhnen, dass Maske eine Option ist?

Ja, genau. Das ist auch eine der interessanten Fragestellungen – ob sich durch diese Corona-Krise entsprechende Dinge, Wahrnehmungen, verändern. Genauso, wie sich derzeit auch vieles in der Kommunikation verändert und ins Digitale verschiebt. Womit wir wieder zu der Gesichtserkennungsdiskussion kommen: Vielleicht ist es demnächst so, dass wir wissen, wir sind online irgendwie “nackt”, aber draußen dann immer voll verschleiert. Der ehemals öffentliche Raum, wird das jetzt ein voll anonymer Raum? Dann gehen wir nach Hause und sind auf Chatroulette wieder nackt, sozusagen. Wird das so eine komische Verkehrung? Und was ich mich auch gefragt habe: Es gibt ja vieles im Bereich der Snapchat- und Instagram-Filter; das ist ja eine Kultur, die jetzt schon eine Weile läuft und auch interessante Ausprägungen besitzt – nicht nur Hundeschnauze, Katzennase oder so. Gerade im asiatischen Raum findet man Video-Streamer und YouTuber, die immer nur mit Avatar auftreten. Bei denen man gar nicht weiß, wie die aussehen, weil die komplett eine Maske auf haben.

Eine digitale oder eine echte?

Eine digitale – Personen, die immer irgendwie was im Gesicht haben oder auch komplett digital verfremdet sind, so dass du gar nicht weißt, wer das ist. Das sind Beispiele für verschiedene Richtungen der Maskierungen. Die gleichzeitig, nebeneinander in unterschiedlichen Kontexten stattfinden, aber sich schon auch gegenseitig beeinflussen. Und dadurch interessant zu beobachten sind.

Wie bist du denn eigentlich überhaupt an dieses Thema herangekommen? Eher über die Gesichtsfilter, also den digitalen Aspekt, oder über das tatsächliche Maskieren und das Ausschalten von Gesichtserkennung?

Face the Face hieß ja der Kurs an der Hochschule. Aber – und da liegt der eigentliche Anfang – Face the Face war auch der Name einer Ausstellung, die ich mit Annika Meier zusammen kuratiert habe, eine so genannte Speedshow. Die lief letztes Jahr im Herbst hier in Berlin in einem Internet-Café, und da lag der Fokus bereits auf dem Thema Facefilter. Das war inhaltlich ein Hauptaugenmerk dieser Ausstellung, fand aber gleichzeitig auch im Kontext von Netzkunst statt – die für sich genommen viel älter ist, die sich aber auch immer schon um Fragen der Identität und des Gesichtes im Zusammenspiel mit Kamera und Computer gedreht hat. Und über Aspekte wie Social Media, Net Art, Facefilter entstand dann dieser Kurs an der HAW, der ein bisschen breiter angelegt war. Da hing für mich automatisch der Bereich Gesichtserkennung mit dran. Privacy und Anonymitätsfragen im Internet, das sind genau die Themen, die sehr klassisch bei mir mitlaufen, schon seit Jahren.

Warum treibt dich Anonymität so sehr um?

Ähnlich meiner Antwort auf deine Eingangsfrage halte ich die Privatsphäre und die Anonymität, die wir in unserer Gesellschaft besitzen, für ein sehr hohes Gut. Und für eine wichtige Grundlage der Demokratie, in der wir leben. Wenn die den Bach runtergeht und wir in eine totale Überwachung geraten, dann haben wir ein riesiges Problem. Irgendwie habe ich schon immer auf dieses Thema geschaut und mich dafür interessiert. Was ist die neueste Entwicklung? Was kann man damit machen? Und wenn man das ein bisschen versteht oder sich damit auskennt, dann macht das nicht nur Spaß, sondern ermöglicht einem, etwas zu tun, das auch sozial tief eingreift. Gerade in einer Atmosphäre, in der so eine Nothing-to-hide-Haltung herrscht: Joa, ich mach’ das einfach… weil ist doch egal.

Genau, dieses ich habe doch nichts zu verbergen, was soll’s mich also kümmern?!

Ja, und an dem Punkt kann man sagen: Dann zieh’ dich doch aus, wenn du nichts zu verbergen hast, oder Gib mir mal alle deine Logins für deine Accounts! – Ja, nee, so jetzt aber auch wieder nich’. Und das Bewusstsein dafür, das ist schon fundamental wichtig. Ich glaube auch, dass in der Politik diese Zusammenhänge, dieses Für und Wider, einigen Leuten klar ist. Aber der Druck wird halt immer größer, auch und gerade bei so etwas wie der Covid-App. Der Druck aus der Industrie, aber auch aus der Politik. Für eine einseitige Form der Transparenz. Der vermeintlichen Sicherheit. Da werden bestimmte Freiheitsrechte hier und da sehr stark eingeschränkt. Und einerseits weißt du, okay, das muss jetzt so. Andererseits kannst du aber auch gar nicht mehr demonstrieren, zum Beispiel.

Inwiefern sind dann die Masken, die in dem Seminar entstanden sind, innerhalb des Projekts Face the Face, inwieweit sind die denn schon Lösungen? Oder stellen sie vielmehr einen Fingerzeig auf das Thema dar?

Ich würde sagen beides. Das Interessante daran: An der Hochschule gibt’s ja verschiedene Design-Fachrichtungen, die dort studiert werden. Und du triffst eben auch auf Leute aus der Mode, die einen ganz anderen Umgang mit Material pflegen und wie man beispielsweise etwas trägt. Ursprünglich bezieht sich die Aufgabenstellung des Seminars auf ein Projekt namens CVdazzle von Adam Harvey, das circa acht Jahre alt ist. Damals lag der Ansatz darin, sich so zu schminken und eine Frisur zu tragen, dass Kamera und Software das menschliche Gesicht nicht mehr als solches erkennen konnten. Wir haben an der Hochschule über Themen wie Privatsphäre gearbeitet, und eigentlich war das mit diesen Masken nur so ein kurzes Projekt, im Grunde eine Fingerübung. Allerdings mit der spannenden Prämisse, etwas zu kreieren, das man im Gesicht trägt, aber leicht entfernen kann. Schminke must du abschminken – das nimmt dir die Flexibilität. Aber so etwas wie eine Brille, die ich im Gesicht trage, die mich irgendwie verfremdet, die ich aber spontan wieder absetzen kann. Wie wäre das? Wie sähe das aus? Ein bisschen haben wir diese Situation ja jetzt mit den medizinischen Masken, die auf einmal von allen getragen werden. Jedenfalls sind in dem Seminar einige Sachen bei rausgekommen – manche von den Masken sind auch unsinnig oder einfach lustig. Dennoch ist das Szenario, das mit den Exponaten verknüpft ist, gleichbleibend interessant: zum einen, weil du die Maske gegen die Software in der Kamera testen musst. Und zum anderen, weil du sie gleichzeitig auch sozial testest. Wie sehe ich damit aus? Wie reagieren denn die Leute damit auf mich? Will jemand mit mir reden, wenn ich so etwas trage? Und das sind im Kern ganz wichtige Fragen. Ich fände es schon interessant, etwas in dem Bereich zu entwickeln, das meine digitale Anonymität wahrt und trotzdem socially acceptable ist. Das war so ein bisschen die Idee dahinter, und da hängen dann verschiedene Diskussionen dran. Dass wir dieses Gespräch gerade führen, das ist eigentlich das, worum es geht – als Gesellschaft die Frage der Privatsphäre zu sehen und sich darüber auszutauschen.

Wenn ich die Funktionsweise von Wearable CVdazzles richtig verstanden habe, dann helfen uns die medizinischen Gesichtsmasken unter dem Aspekt eigentlich nicht weiter, oder? Weil eigentlich, ja, was genau unkenntlich sein muss – die Augenpartie?

Ja, aber ich glaube, die medizinische Maske plus eine Sonnenbrille… also die deutsche Gesichtserkennung findet da nichts mehr. Ich finde vor allem die selbst genähten Masken und dieses ganze Bunte, was da jetzt kommt, gegenüber den chirurgisch anmutenden Masken… das ist doch total gut. Da wird so eine DIY-Welle losgetreten, und zu Hause sitzen ganz viele und nähen noch die Form oder die Form. Meine Mutter hat mir auch schon welche geschickt. Ich halte das wirklich für eine spannende Sache; mit der Kultur, die da drumherum entsteht. Da stecken durchaus auch politische Themen mit drin. Und nehmen wir mal an, dass wir uns noch auf Jahre hinaus gegen Erreger schützen müssen oder unsere Mitmenschen vor einer Ansteckung durch uns, so tut sich doch ein nicht unspannender Zwischenraum auf, in dem wir uns bewegen werden. Da können Gewohnheiten aufbrechen. Und vielleicht sogar soziale beziehungsweise zwischenmenschliche Komponenten neu ins Spiel kommen.

In dem Kurs – gab es da sozusagen eine Lieblingsmaske bei dir? Eine Maske, die du für besonders gelungen hältst?

Es gab ein paar. Manche, die zum Beispiel in der Bewegung sehr gut funktioniert haben. Mit Lametta oder Ketten vor dem Gesicht. Bei denen hatte die einfache Erkennungs-Software schon starke Probleme, einfach nur wegen der Bewegung. Ich fand aber eine bemerkenswert, die mit wenig Mitteln sehr gut abgeschnitten hat – mit den weißen Kreuzen rechts und links. Die hat nicht nur optisch sehr gut funktioniert, sondern konnte auch sozial überzeugen: Mit dem Träger war für mich als Gegenüber tatsächlich ein Gespräch möglich. Die Maske besaß so design-technische Aspekte, die genial einfach in der Umsetzung waren. Dass jemand ein alltägliches Objekt nimmt, einen Kleiderbügel aus Draht, und mit Klebeband kombiniert Erkennungs-Software austrickst… Für mich gerade auch ästhetisch eine spannende Lösung. Gut gefiel mir zudem die Variante mit dem Netz und den Kugeln vor dem Gesicht. Das wirkt schon sehr modisch und kann so in Hamburg oder in Berlin problemlos auf der Straße getragen werden. Da würde dich keiner komisch angucken, deswegen.

Ja, das sieht fast so aus, als ob es einen kulturellen Background besäße.

Genau, da finden sich verschiedene Anspielungen drin wieder, die einem irgendwie vertraut vorkommen. Auch die Fechtmaske ist ein gutes Beispiel. Die wirkt natürlich deutlich abweisender; dafür verzerrt sie aber auch das Gesicht dahinter ausgesprochen wirksam. Doch, da sind etliche interessante Richtungen eingeschlagen worden.

Danke schön, Aram, für die Einblicke in das Projekt Face the Face und deine Arbeit. Wie’s nach unserem Gespräch weitergeht: Momentan planen wir, in ein paar Tagen mit der fünften Ausgabe – “Maskerade” – live zu gehen. Für dich vielleicht auch nicht uninteressant: Eine Kollegin von mir wird sich mit einer ehemaligen Fork-Mitarbeiterin austauschen, die inzwischen im Bereich Fashion auf Instagram als Model und Fotografin aktiv ist. In dem Gespräch wird es um Aspekte wie Schminken und die verschiedenen Rollen gehen, in die sie vor der Kamera schlüpft.

Ich bin gespannt. Das heute hat Spaß gemacht – jetzt haben wir wahrscheinlich eine halbe Stunde miteinander gesprochen, deutlich länger als in meinen letzten Radio-Interviews üblich. Schön, wenn man mehr als fünf Minuten hat, um sich auf ein Thema einzulassen.

Autor
Björn Lange
23-04-2020

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Jeu de Paume, Interview

May 2, 2020

L’artiste Aram Bartholl nous parle de son oeuvre “Are you human?” présentée dans l’exposition “Le supermarché des images” (11/02 – 07/06/20).
Je de Paume 2020

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